Ein ungewöhnliches Bild auf bayerischen Voralpenhängen: Im kleinen Weiler Mernham sorgen ab diesem Frühjahr Yaks dafür, dass die steilen Hänge wieder gepflegt und offen gehalten werden — und das ganz ohne schweres Gerät. Dabei handelt es sich um ein Naturschutzprojekt des Landratsamts Rosenheim.
Projektinitiator Jonas Garschhammer begrüßt den frisch gewählten Bürgermeister Martin Kubiczek, die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Gemeinde Isabella Eicher sowie die Grundstückseigentümer Ludwig Freiberger und Felix Kircher, um das Projekt vorzustellen. Mit dabei sind auch der Yak-Halter Markus Kirschner und Rosa Kugler vom Landschaftspflegeverband Rosenheim.
Bei dem Blick in die malerische Landschaft fallen die zahlreichen Hügel und Steilhänge auf, die der Inngletscher hier vor Jahrtausenden bewegte. Erst durch die bäuerliche Nutzung haben sich hier besonders artenreiche Wiesen entwickelt. „Durch die Blütenvielfalt finden wir hier zahlreiche Schmetterlinge und seltene Wildbienen“, so Garschhammer. In der modernen Landwirtschaft können die Steilhänge jedoch nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden und fallen daher oft aus der Nutzung. Ökologisch zielt das Naturschutzprojekt darauf ab, die ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen vor Sukzession zu bewahren. Durch die Beweidung werden die steilen Flächen offengehalten, Büsche und Sträucher können somit nicht aufkommen. Wärmeliebende und konkurrenzschwache Blütenpflanzen bleiben somit erhalten und können sich durch das Offenhalten wieder ansiedeln.
Auf Zuruf gesellen sich auch die zotteligen Yaks Anton, Albert und Alfred der Runde dazu. Markus Kirschner und seine Frau Dalma halten Yaks seit nun 4 Jahren. Ausschlaggebend für die ungewöhnliche Tierwahl war für sie die Robustheit und Genügsamkeit von Yaks. Aber auch die Qualität ihres Fleisches – besonders zart und geschmackvoll. Yaks sind für die Steilhangbeweidung besonders geeignet: Als Tiere, die ursprünglich aus dem Himalaya stammen, kommen sie mit kargem Futter und wechselhaften Witterungsbedingungen gut zurecht und hinterlassen in sensiblen Hanglagen vergleichsweise geringe Trittschäden, so Kirschner. Ihr Fressverhalten unterscheidet sich von dem anderer Wiederkäuer, sie fressen vor allem Gras und weniger Blumen und tragen durch punktuelle Dungablagerungen zum Bodenleben bei — Effekte, die sich positiv auf kleinräumige Lebensgemeinschaften auswirken können.
Die Weidehaltung läuft nun von April bis November auf drei verschiedenen Teilflächen, sodass die einzelnen Parzellen mehrere Wochen Beweidungsruhe bekommen und Pflanzen sowie Insekten ihren Entwicklungszyklus abschließen können. Begleitet wird die Beweidung durch Rosa Kugler vom Landschaftspflegeverband Rosenheim, die regelmäßig Vegetationsaufnahmen und Tierbeobachtungen durchführt, damit bei Bedarf das Weidemanagement feinjustiert werden kann. „Die ersten Eindrücke sind sehr positiv: Der alte Grasfilz der letzten Jahre wurde bereits abgefressen und die ersten Kräuter spitzeln schon durch“, so Kugler.
Jonas Garschhammer bedankt sich bei den Grundstückseigentümern und der Gemeinde Babensham, ohne deren Unterstützung das Projekt nicht möglich gewesen wäre. Diese sehen das Projekt positiv: „Ich find’s gut, dass hier Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gedacht werden. Die Hänge werden naturschutzfachlich gepflegt, aber es findet auch eine Nutzung statt durch die Fleischproduktion“, sagt Ludwig Freiberger aus Mernham. Sein Nachbar Felix Kircher ergänzt: „Ich find es toll, dass Tiere auf diesen Hängen stehen — ein schönes Ortsbild.“ Der Bürgermeister Martin Kubiczek hob beim Termin hervor, wie wichtig praxisnahe Lösungen sind, die ökologische Ziele mit regionaler Wirtschaftlichkeit verbinden. Die Teilfläche der Gemeinde ist auch zugleich eine ökologische Ausgleichsfläche, die nun vorbildlich gepflegt wird und eine gewisse Vorbildfunktion aufweist wie Naturschutz und Landnutzung zusammengebracht werden können.
Für Besucherinnen und Besucher gilt Rücksichtnahme. Markus Kirschner erklärt, dass Yaks grundsätzlich sehr ruhig und besonnen sind. In der Natur haben sie aber gelernt, sich gegenüber Feinden wie Wölfen zu verteidigen. Daher sei insbesondere Hundehaltern empfohlen, ihre Tiere anzuleinen und etwas Abstand zur Weide einzuhalten. Aber auch von der Ferne kann man den Anblick der exotischen Tiere auf den malerischen Steilhängen am Inn genießen.